Polit-Blogging

Freitag, 7. Dezember 2007

Abt. Ethik: Konsequent bleiben

Wie vielleicht schon das eine oder andere Mal erwähnt wurde, arbeite ich in der Fleischbranche. An Konfrontationen mit Fleischgegnern habe ich mich dabei ebenso gewöhnt wie an die Fragen nach irgendeinem Gammelfleischskandal in der Richtung "Macht ihr sowas auch?".

Neulich erzählte mir ein Kollege mal wieder von einem interessanten Gespräch bei einer privaten Feier, auf der einer der Gäste statt Steak Blumenkohlsuppe schlürfte:

- Magst Du kein Fleisch?
- Nein, ich bin seit eineinhalb Jahren Veganer. Ich esse überhaupt nichts von Tieren. [Eier und Milch in der Tortilla hatte er anscheinend nicht bemerkt]
- Aha, warum denn nicht?
- Aus ethischen Gründen, ich find das eben nicht gut.
- So, so. Was machst Du denn eigentlich beruflich?
- Ich handle mit Textilien.
- Interessant. Wo werden die denn produziert?
- Ach in verschiedenen Ländern, aber das meiste kommt aus Bangladesh.
(Pause)
- Aha. Was hört man da so von Kinderarbeit oder so?
- Nein, in unseren Betrieben nicht.

Schon klar.

Montag, 2. Juli 2007

Guerilla-Mülltrennung

Schon seit einigen Jahren belegen Studien, dass es wirtschaftlich immer weniger sinnvoll ist, den Müll in den Haushalten trennen zu lassen, anstatt ihn in modernen Anlagen auseinanderzusortieren. Das Duale System Deutschland hat sich mit dem noch bestehenden System in den letzten 15 oder 17 Jahren eine goldene Tonne verdient und klammert sich deshalb verständlicherweise daran fest. Verluste, die durch schlechte Sortierung und damit mangelhafte Verwertbarkeit des Wertstoffmülls wie auch durch die Getzteslücke von sogenannten Selbstentsorgersystemen entstehen werden ohnehin wieder auf den Steuerzahler abgewälzt.

Sicher dauert es aber nicht mehr lange, bis sich die Sortiererei unter dem Spültisch wieder erledigt hat. Der geneigte Verbraucher mag durch bewusste engagierte Mülltrennung diese Restsortierzeit durch seine aktive Mitwirkung verkürzen: Wenn immer mehr Bürger immer mehr Wertstoffe OHNE den grünen Punkt in die Gelben tonnen stopfen, rentiert es sich für das DSD immer weniger und der Verlust geht schneller in die Höhe. Bald ist es dann nicht mehr vertretbar, dem alten Sortiersystem den Vorzug gegenüber der neuen Anlagensortierung zu geben.

In kleinen Schritten, die bei der Kontrolle der gelben Tonnen und Säcke nicht erkennbar sind und deshalb nicht zum Stehenlassen des Wertstoffmülls führen können, treibt man die Entscheidungsfindung voran. Volksbstimmung mit dem Joghurtbecher, sozusagen.

Dienstag, 7. Februar 2006

Sportliche Revanche

Wenn in dem Land nicht auf der anderen Seite mit richtig gefährlichen Dingen herumgefuchtelt würde, wär es doch nicht schlecht, den Diskurs auf dieser Ebene weiterzuführen.

Von einer Karikatur ist noch keine Stadt in die Luft geflogen.


Deeskalieren.

Dienstag, 20. Dezember 2005

Sicher ist sicher

Dass die innere Sicherheit schon immer ein Schwerpunkt der christlich sozialen Politik war, das zeigt ja schon, dass es auch hier mit Sicherheit nicht auf Kosten der inneren Sicherheit gehen wird.

- mal wieder ein echter Stoiber.

Mittwoch, 23. November 2005

Amerikanische Konsequenz

Das ist mal wieder ein echter Bush!

Überall auf der Welt bringt er unter mehr oder weniger fadenscheinigen Gründen Menschen unter die Erde, aber seinen Thanksgiving-Truthahn begnadigt er unter großem Presserummel und schickt ihn nach Disneyland. Da sieht man ja, wie die Prioritäten im Weißen Haus gesetzt sind.

Donnerstag, 29. September 2005

FDP ade

Da hatte er sich so über sein tolles Ergebnis gefreut, der Guido, und es war ihm auch ziemlich egal, dass die meisten seiner Neuwähler nicht gedacht haben "FDP muss es sein, weil die machen oder planen das zu machen, was ich für Deutschland will", sondern "SPD passt mir nicht, CDU passt mir nicht, Grüne noch weniger und Die Linken schon mal gar nicht, also bleibt nur FDP als das kleinste der fünf Übel". Er war einfach total froh, dass er jetzt auch mal wieder richtig mitreden darf, am Rockzipfel der Union.

Nun, da sich eine Schwarz-Rot immer mehr andeutet, hat er bestimmt schon wieder ein Tränchen im Augenwinkel. In bekannter Heulsusenmanier wird er kundtun, dass das bei weitem nicht die beste Lösung für unser Land ist, den er löst da ja nicht mit.

Wieder kommt mir da der Verdacht in den Sinn, dem Guido (und auch sehr vielen anderen, die in den letzten Tagen und Wochen darum kämpfen und gekämpft haben, auf dem wichtigen Regierungsbankerl zu sitzen) geht es gar nicht um das beste für unser Land, sondern um das eigene Geldsäckel. Wenn er daran interssiert wäre, möglichst viel von den Inhalten seines Parteiprogramms in der REgierung zu wissen, müsste er doch - rein rechnerisch - mit schwarz-rot noch recht zufrieden sein. Gelb sitzt in der Mitte zwischen den beiden Volksparteien, und nachdem schwarz-gelb ja schon im Wahlkampf angekündigt war, sollten mit der CDU ja die meisten politischen Gemeinsamkeiten bestehen, und damit in der Regierung vertreten sein. Die extreme Linke von Grün bis dunkelrot ist raus, auch das kommt Guido entgegen.

Aber ist schon klar, am meisten Schmerzen wird ihm bereiten, dass er nicht bei den Pöstchen dabei ist. Die Grünen tragen es nach 7 Jahren vorne dabei mit deutlich mehr Fassung, aber in der politischen Mitte gilt heute: FDP - ich zuerst!

Sonntag, 25. September 2005

Ein Traum von einem Wahlkampf!

Wie ja an einigen anderen Stellen hier im Blog schon gelegentlich durchgeklungen ist, verwende ich einen guten Teil meiner Freizeit darauf, mit am unteren Ende beschwerten Metallstäben nach einem kleinen weißen Kunststoffball zu schlagen. Golf. Jeder, der es schon einmal probiert hat, wird bestätigen, dass das ein Sport ist, bei dem es kaum auf Kraft, vielmehr aber auf Konzentration, Technik und Präzision ankommt. Die meisten, die dabei geblieben sind, werden bestätigen, dass einen die Gedanken an die schon ausgeführten oder demnächst (besser) auszuführenden Schläge auch außerhalb von Platz und Übungswiese begleiten und beschäftigen. Nicht zum ersten Mal war deshalb in der Nacht von Freitag auf Samstag auch Golf das Thema eines meiner Träume. Ich versuche hier so viel wie möglich aus meiner Erinnerung zu reproduzieren, sicherlich werden aber einige skurrile Details auf der Strecke bleiben.

Es ist höchst selten, dass man von seinen Träumen illustriert erzählen kann, der erst kürzlich vergangene Wahlkampf verhilft mir ungewollt zu dieser Möglichkeit. Denn einer der Protagonisten in meinem Traum war jemand, den ich nur von den Wahlplakaten der Grünen in unserem Kreis kenne:

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Wolfgang Schlagwein. Wie gesagt, Herr Schlagwein möge sich nicht angegriffen fühlen, ich kenne ihn nur „vom sehen“. Hätte ich ihn auf der Straße getroffen, würde ich ihn wahrscheinlich für ein Mitglied einer Gruppe für mittelalterlichen Schaukampf halten. (Herr Schlagwein, falls Sie von dieser Geschichte erfahren sollten und nicht damit einverstanden sind, dass Ihr Bild in diesem Zusammenhang erscheint, genügt eine kurze Nachricht, etwa in Form eines Kommentars oder per Email an __ derwein at yahoo punkt com __, und ich werde es sofort entfernen.) Im weiteren Verlauf hilft das Bild aber ungemein bei der Illustration der Geschichte.

Ich kann mich also erinnern, dass ich (in dem Traum) meinen nicht Golf spielenden Bruder zu Besuch hatte und mit auf eine kleine Runde nehmen wollte. Da wie immer, wenn er mich mit seiner Familie besucht, die paar Tage meistens ziemlich voll sind mit Sachen, die wir alle mal zusammen machen wollten, hatte ich auch in dem Traum die Hoffnung, dass auf dem Platz nicht viel los sei, und wir vielleicht nach eineinhalb bis zwei Stunden 9 Bahnen geschafft hätten, und wieder zur Familie stoßen könnten.

Schon auf dem Parkplatz sah ich, dass das nicht ganz klappen würde. Alles war voll, es waren mehr Autos da als bei einer Großveranstaltung und schon auf dem Weg zum ersten Abschlag tummelten sich Menschen, die man sonst nicht hier sah. Ich wollte mich eigentlich nicht groß mit aufwärmen aufhalten, aber da der erste Abschlag belegt war, entschied ich mich doch, erstmal einen halben Eimer Bälle wegzukloppen. Es war so gegen halb zwei nachmittags, die Liste der reservierten Abschlagszeiten (normalerweise startet an Bahn eins alle 10 Minuten ein 4er-Grüppchen) war bis kurz vor vier Uhr voll geschrieben. Darunter waren allein vier 4er der Gruppe der Ehrengäste, die sich im Moment noch auf der Übungswiese aufwärmten, un die wohl auch der Grund für den Menschenauflauf auf dem Platz waren.

So ging ich also zur Übungswiese, doch auch dort kam ich nicht zum Zuge, denn hinter einigen Metern Absperrungen stand und schlug: Herr Schlagwein und einige seiner Bekannten, außerdem jede Menge Security-Personal und Bodyguards, eigentlich etwas zu viele für einen Wahlkreiskandidaten der Grünen im Wahlkreis 200. In dem Gebäude, in dem normalerweise die überdachten Abschlagmatten zum Üben bei schlechten Wetter sind, war eine Zuschauertribüne aufgebaut, und einige Leute vom Club wie von außerhalb saßen auch dort und sahen zu wie Herr Schlagwein Bälle schlug. Für mich sah es so aus, als habe er erst vor ein paar Wochen seinen ersten Schnupperkurs besucht. Offensichtlich machte Herr Schlagwein Wahlkampf auf dem Golfplatz. Das Verhältnis zwischen Umweltaktivisten und Golfspielern war ja in den Anfangszeiten der Ökobewegung oft nicht das Beste. Er war dort in Begleitung seiner Frau, die war etwa zwei Köpfe größer als er, trug ein altmodisches Sommerkleid, weiß mit großen Roten Mohnblumen, hatte die gleiche Frisur und den gleichen Schnurrbart. Als er fertig war, ging Herr Schlagwein mit seinem Grüppchen ebenfalls zurück auf die Zuschauertribüne, auf der selbstverständlich Ehrenplätze reserviert waren, und kurz darauf ging das Programm los:

Drei oder vier große bunt angemalte Propellerflugzeuge ähnlich der alten JU52 flogen mehrfach, bunte Rauchstreifen hinter sich in den Himmel zeichnend, über die Übungswiese, mal von links nach rechts, mal auf die Zuschauertribüne zu. Als die Flugshow beendet war, kamen vierfach und sechsfach bespannte römische Pferdekampfwagen und zeigten ebenfalls einige halsbrecherische Kunststücke. Die einreitenden Polomannschaften kamen mir nur noch auf dem Rückweg zum Auto entgegen, ich hatte beschlossen, ein anderes Mal mit meinem Bruder eine Runde über die Fairways und Grüns zu spazieren, wenn weniger Prominenz unterwegs ist.

Donnerstag, 22. September 2005

Nach dem Stress erstmal in Urlaub

Die Koalition steht, jetzt spannen wir erstmal ein paar Tage aus.

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Dienstag, 20. September 2005

Merkel mögen müssen

Für einige Mitglieder der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag steht heute eine Gewissensprüfung auf dem Programm: Merkel lässt sich als Fraktionsvorsitzende wiederwählen.

Beim letzten Mal mochten sie noch 92%.

Diesmal sollten es mindestens genausoviele sein, besser noch mehr. In Wirklichkeit werden sicher einige mehr als die 8% beim letzten Mal der Ansicht sein, "die kanz nicht", die hat den Wahlkampf und die Wahl verbockt, die wollen wir da nicht mehr haben. Das sind sicherlich auch Leute, die nach wie vor hinter den Inhalten der Partei stehen, die sich aber nicht von Angela Merkel vertreten lassen wollen. Nicht im Bundestag und wahrscheinlich erst recht nicht als Kanzlerin im In- und Ausland.

Wenn Merkel aber nicht den nötigen Rückhalt hat, muss sie gehen, und ein Wechsel der Fraktionsführung und ein neuer Kanzlerkandidat ist bestimmt im Moment nicht gerade hilfreich bei den Koalitionsverhandlungen.

Was also machen die Damen und Herren Abgeordneten? Stimmen sie ehrlich ab und hauen Merkel raus oder beißen sie die Zähne zusammen, geben Ihre Authenizität auf und bücken sich zugunsten der Fraktionsdisziplin und der Aussicht auf Macht und Geld?

Blöde Momente im Leben von Politikern.

Montag, 19. September 2005

Durch Raab in Gefahr

... noch weiter entblösst zu werden:

Dass Stefan Raab mit seiner mittelmäßig unterhaltsamen Samstagabend-Show und den darin wiedergegebenen Umfragewerten gar nicht so schlecht gelegen hat, ist eine Seite.

Mit ein wenig Interpretation, wie in der Sendung auch erwähnt, komt man dahinter, wie die Ergebnisse zustandekommen und was zu den großen Unterschieden zu den ernsthaften Umfragen führt:
  • "Die CDU-Wähler sind beim Musikantenstadl hängengeblieben"
  • Bei Raab konnten auch Ausländer anrufen, die sich naturgemäß eher links zur immigrationsfreundlicheren Politik orientieren dürften.
  • Die engagierteren Teilnehmer an der Telefon-/SMS-Umfrage konnten sich auch mehrfach beteiligen, was zu Verschiebungen führen kann.
Was der CDU/CSU aber auch zu denken geben sollte ist, dass sie ja damit vor allem von der jüngeren Wählerschaft personell und/oder inhaltlich überhaupt nicht akzeptiert wird. In vorangegangenen Umfragen wird sicherlich nach Altersgruppen differenziert worden sein, doch erst durch die Raab-Bundestagswahl wird das einem breiteren Publikum deutlich.

Offensichtlich erweckten die beiden schwarzen Parteien in ihrem Wahlkampf nicht den Eindruck, sie würden für die Zukunft arbeiten. Sie konnten nicht vermitteln, dass sie der jungen Generation Vorteile in der nächsten Legislaturperiode verschaffen würden. Und sie fanden überhaupt mit ihren Argumenten keinen Weg, sie dem jugendlichen Teil der Deutschen zu kommunizieren.

Es kommt mir nicht so vor, als könnte diese Partei den Anfang zu einer besseren Zukunft schaffen.

Bockbierbowle

- eine frage der richtigen mischung -

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