Draussen

Donnerstag, 6. August 2009

Archäologischer Sensationsfund in Rolandseck

Schon von einigen Jahren fand ich beim Pilzesammeln einen Stein in eigenartiger Form. Ich legte ihn mit in den Korb (der zu dem Zeitpunkt noch leer war :-( ), von dort wanderte er erst auf die Terrasse, dann aufs Multimediamöbel, dann in einen Karton, dann in den Keller, und so weiter.

Immer wieder nahm ich ihn in die Hand, drehte ihn hin und her, erst jetzt fiel mir ein, was das sein könnte: Ein Faustkeil!

Das Neandertal ist ja nicht mal 100 km weg, bestimmt hat einer der Barfuss-Spezis mal einen Ausflug den Rhein rauf gemacht, war wie ich in Rolandseck Pilze sammeln und hat ihn hier verloren. Bis er genug Pilze gesammelt hatte, um sie gegen einen neuen Faustkeil (dann wahrscheinlich einen viel besseren, vielleicht mit Lupe dran, oder Pinzette und Zahnstocher, musste er einen Wurfspeere mit den Fingernägeln spitz schaben. Ärgerlich!

Nun hab ICH ihn:













Die Pfeile zeigen jeweils die Bearbeitungsspuren, die beweisen, dass der Stein nicht einfach von einem größeren Brocken abgesplittert ist, sondern wirklich vor 50.000 Jahren oder so zurechtgeklopft wurde.

Und ICH hab ihn nun! Toll, oder?

Bestimmt ist der 400.000 EUR wert und ich muss ab demnächst nur noch halbtags arbeiten.

Dienstag, 4. August 2009

Litauen 2009 - Bauernhof

Litauen stellt man sich erstmal nicht als Urlaubsland vor, das ändert sich schlagartig, wenn man dort Familie hat. Für mich stand deshalb diesen Sommer schon der fünfte Besuch an, für Julius der dritte, Nicolas kam zum ersten Mal mit.

Obwohl wir mit Dorf und Garten auch eher ländlich leben, ist so ein kleiner Bauernhof doch noch einen Schritt ländlicher. Für die Buben ein Paradies!

Am Tag nach unserer Ankunft stand eine Kuh in freudiger Erwartung auf der Wiese:



Bald darauf war das Baby da:





Auch sonst fand Julius jede Menge zu tun:







Nicolas wurde von einem Arm zum anderern weitergereicht und war froh, wenn er mal etwas Auslauf bekam





Den ganzen Tag draussen und kein Schnupfen - woran liegt das blos?

Dienstag, 7. Juli 2009

Tag am Meer

Samstag nahmen wir das schöne Wetter und die große Hitze zum Anlass, einen Ausflug an die hölländische Nordseeküste zu unternehmen.

Ist fast so schön wie ne Woche Urlaub, eben ganz anders als daheim.





Solange wir im Meer badeten, parkten wir jegliches Glibbergetier natürlich an Land:



Nachmittags noch ein Bier im Strandpavillion, dann wieder ab auf die Bahn. Zurück zuhause war noch genug Zeit, schnell den Grill anzumachen und einen genüsslichen Abschluss des Ultra-Kurzurlaubs zu begehen.

Montag, 16. März 2009

Der Frühling kommt

So wie der Winter noch versucht, sich in der Landschaft festzukrallen, kommt der Frühling nur in ganz kleinen Schritten voran. Sichere Boten sind wie immer die Krokusse, auf denen man bei Sonnenschein auch schon mal vereinzelt eine Hummel sehen kann:






(Die Bilder waren ohne Hummeln. Augenzusammenkneifen off.)

Fast wetterunabhängig, wenn man mal von Schnee und Hagel absieht, hab ich schon mal mit der Gartengestaltung angefangen. Am unteren Ende unseres schmalen Hanggrundstücks geht ein Wanderweg vorbei. Dort wollte ich gerne eine kostenlose Einfriedung haben, die das Landschaftsbild für die Erholungssuchenden einerseits nicht stört, andererseits aber die Grundstücksgrenzen grob markiert, damit ich wenigstens weiss, wo ich nächstes Mal ins Wespennest mähen soll und wo nicht. Wie mir erst jetzt klar wurde, war das aggressive Volk vom letzten Jahr gar nicht bei uns, sondern ganz knapp beim Nachbarn. Nachvollziehen kann man das zwar nicht, weil die Wespen das gleiche Loch nicht ein zweites Mal bewohnen, ab sofort gibt es aber eine Richtlinie dafür, wo sich das Gelände abgrenzt:



Dabei kam natürlich gelegen, dass wir vor ein paar Wochen weiter oben im Hang einige Haselnusssträucher gerodet hatten und die sowieso entsorgt werden mussten. Die dicken wurden Pfosten, alles dünne und lange ging ins Geflecht über. Klimaneutraler kann man einen Zaun kaum bauen.



Bemerkenswert ist dabei, dass wirklich viel Material in nur so einem kleinen Stück Gauchozaun reingeht. Angesichts des ziemlich großen Haufens an Haselnussgestrüpp, der da vorher lag, hab ich mich doch gewundert, dass der Zaun daraus nicht mal rundrum einen halben Meter hoch wurde. Das bauen des Zauns kann man aber durchaus als meditative Tätigkeit bezeichnen. Die natürlich gegebenen Formen des Materials erkennen und in ein immer noch ursprünglich anmutendes Nutzgebilde einbringen. Das holt jeden ausgebrannten Manager nach ein paar Tagen wieder vom Power-Speed-Peek ins Tal des langsamen Flusses zurück. Hiermit geschützt: Die Flechtzaun-Therapie nach Yooee.

Donnerstag, 15. Januar 2009

Yooee hilf

Gestern hatte ich den dritten Abend (von drei) eines Erste-Hilfe-Kurses, den vor allem die Berufsgenossenschaft für unsere Firma fordert. Ich hab gesagt, ich mach das, weil ich dieses vor über 20 Jahren anlässlich des Führerscheins und damals einer Rettungsschwimmerausbildung erworbene Wissen sowieso mal wieder auffrischen wollte. Ich hatte mich schon auf drei dröge Abende vorbereitet, in denen ich gegen das Einschlafen ankämpfen müsste. Statt dessen, und obwohl ein grippaler Infekt mich derzeit nur mit Aspirin und Eukalyptus die Tage überstehen und die Nächte etwas schlafen lässt, war es ganz anders. Alex, ein Rettungsassistent unserer Rettungswache hielt den Kurs auf engagierte, frische und höchst unterhaltsame Weise. Wissen laut Plan, aber auch den nötigen Hintergrund. Übungen soweit nötig, aber nicht übertrieben. Viele, manchmal recht intensive Beispiele aus seiner täglichen Praxis so dargebracht, dass man sie meist bildlich vor Augen hatte. Langeweile kam überhaupt nicht auf, und so war der Kurs ein feiner Erfolg. Leute wie er sind ganz sicher das Rückgrat des Rettungsdienstes, wenn mir mal was passiert, hätte ich auch gern so einen auf dem Auto.

Ich weiß noch, wie damals in unserem Dorfkino immer sonntags um 14:00 Uhr Kung-Fu-Filme in der Jugendvorstellung liefen. Wenn ich da rauskam, war ich immer wahnsinnig stark und es war wahrscheinlich ein Glück für beide Seiten, dass mir nicht auf dem Nachhauseweg ein paar Ninjas die Straße versperrten, den die hätte ich mit einem MG-Feuer von Tritten und Stößen ruck-zuck weggeputzt. So ähnlich war es gestern: Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es das Auto 200 Meter vor mir in der nächsten Kurve von der Straße wischen würde. Dem würde ich aber helfen!

In Wirklichkeit hoffe ich natürlich, das soeben gelernte nie anwenden zu müssen, aber empfehlenswert ist so ein Kurs jedem! Überraschend, dass die stabile Seitenlage in den letzten 20 Jahren deutlich einfacher geworden und auch die Herz-Lungen-Wiederbelebung kein Buch mit sieben Siegeln und 34 zu beachtenden Punkten mehr ist.

Mittwoch, 26. November 2008

Restelefant

Der Schnee ist bis auf ein paar Reste wieder verschwunden, auf dem kleinen Stück Wiese vor unserem Haus liegt nur noch ein Haufen, wo der Schneemann war und der kleine Elefant nimmt langsam picasso-eske Form an:



Als kleine Bilanz des kurzen Doch-Noch-Wintereinbruchs war ich überrascht, was das Wetterphänomen für Bewegung in unsere normalerweise am Sonntagabend sehr ruhige Straße brachte. Es gibt bis zu der Kreuzung schräg vor dem Haus zwei Zufahrtswege aus dem Tal. Einer geht nach "hinten", in Richtung Bandorf, den benutzt man, wenn man von uns aus in Richtung Koblenz fahren will oder aus dieser Richtung kommt, so wie ich am Sonntagabend. Da lag Schnee, aber der Anstieg ist moderat und es war kein Problem, hinaufzukommen.

Die Straße von der Kreuzung in Richtung Rhein heißt "Im Ellig" und ist so steil, dass man mit dem Fahrrad schon richtig aus der Puste und ins Schwitzen kommt. Außerdem gibt es ein recht enges Stück, bei dem sich entgegenkommende Autos regelmäßig gegenseitig die Rückspiegel abknipsen. Wenn auch nur ein Bisschen Schnee dort liegt, ist es echt gefährlich, weil der bergab fahrende kaum noch die Richtung korrigieren kann und in der steilen Passage fast jedes Bremsen zum Schleudern führt. Der Ellig war, als ich über Bandorf nach Hause kam, gesperrt. Zunächst überwachte das nur ein Polizeiauto, später noch ein weiteres und eins von der Feuerwehr. Da standen die Polizisten, die Feuerwehrleute und schnell auch ein paar Nachbarn auf ein Schwätzchen. Vor fast jedem Haus in der Straße standen die Nachbarn draußen und freuten sich am schönen Anblick.

Für den Fall, dass so eine Wettersituation diesen Winter nochmal eintritt, sorg ich nun vor:

3 Liter Glühwein & ein paar Kekse oder einen Rosinenstollen und Butter. Tee hat man ja sowieso im Haus.

Einen Becher heißen Tee als nette Geste für die potentiell frierenden Polizisten und vor allem die freiwilligen Feuerwehrler kann nie schaden. Und die Nachbarn kriegt man so bestimmt auch gut hergewinkt, wo man sich ja normalerweise doch nur zum Gutenmorgensagen sieht. Gerade in der Zeit, wo überall die Lichterketten aus den Büschen und Bäumen blitzen, hebt das nochmal die schöne Stimmung hervor.

Ich freu mich schon!

Montag, 24. November 2008

Winter im Rheinland: Sekundenglück

Schon seit ner Woche sieht es etwas gedämpft aus bei Familie Yooee, alle (außer mir eigentlich) sind irgendwie krank. Auch das Wochenende zeigte naseputzen, schniefen, fiebern, genesen, also was haben wir gemacht: Einen Eimer Farbe gekauft und angefangen, den Keller rot anzumalen. (Vielleicht schreckt das die Keime ab).



Schon für Freitag war ja angekündigt, dass es viel schneien würde, und so hab ich Julius auch auf Samstag eingepeitscht, dass wir einen schönen Schneemann bauen würden. Angeleitet von einem Wimmel-Suchbuch erweiterte er die Planung noch um einen Uhu, einen Elefanten, ein Eichhörnchen, einen Wal, eine Schildkröte und einiges mehr. Er kann ja noch nicht wissen, dass es im Rheinland den Schnee für so einen Zoo nur verteilt über die nächsten 15 Jahre geben könnte.

Am Freitag jedenfalls beobachtete ich schon tagsüber im Internet, wie die Schneelawine des Wintereinbruchs mit Ansage von Norden her auf uns zu rollte. Es schneite in Flensburg, Hamburg schickte die Schneeräumer raus, Lüneburg zeigte sich in weißer Pracht, Münster zog die ersten Autos aus dem Graben, Willingen im Sauerland eröfffnete die Schisaison, Köln bekam noch ein paar Flocken ab, kurz vor Bonn war Schluss. Bei uns wurde es etwas frischer, Schnee sahen wir nur aus einiger Entfernung. Schnee im Rheinland ist Sekundenglück (Das Wort habe ich mal eben hier gemopst), und manchmal kommt es gar nicht. Ich wohn jetzt schon über 12 Jahre hier und hab mich damit arrangiert, aber jetzt muss ich es auch Julius erklären. Na ja, irgendwie ging auch das, und als ich am Sonntagnachmittag mit ihm bei Bekannten zum Geburtstagskaffee ein paar Dörfer weiter war, fing es dann doch noch an, zu schneien. Wir freuten uns den ganzen Rückweg, und als wir zuhause ankamen, hatte Z. die Zeit genutzt und schon den ersten Schneemann mit noch vom Vorjahr bewährtem Hut hingezaubert.



Wir kamen an, Julius bekam unter Protest noch schnell einen ordentlichen Kälteschutz verpasst, und endlich konnten wir alle zusammen das volle Programm durchziehen: Schneemann noch schnell mit Augen, Mund und Knöpfen ausstatten, Schneeballschlacht



und dann sprang wenigstens noch ein kleiner Elefant raus.



Für mehr reichte der Schnee nun wirklich nicht, und bei +5°C heute morgen wird er auch nur mit Mühe noch heute abend sehen. Aber wir haben die kostbaren Sekunden Bilderbuchwinter erstmal genutzt!

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Navi-Faxen

Ich bin ja nicht der große Kilometerfresser auf Deutschlands Autobahnen, die Strecken, die ich fahre, wiederholen sich, und bis zum letzten Auto kam ich ganz gut ohne Navigationsgerät zurecht. Seit ich nun eins hab, seit etwas mehr als zwei Jahren, verfahr ich mich mit Navi ähnlich oft wie ohne, nur aus anderen Gründen. Mal widme ich der Unterhaltung im Fahrgastraum mehr Aufmerksamkeit als den Ansagen und übergeh sie einfach. Mal schau ich nicht auf den Entfernungscountdown und biege sofort ab, statt erst nach 580 Metern. Mal blendet sich die Telefon-Freisprechanlage über die Navianzeige und ich verpasse dadurch den einen oder anderen wichtigen Hinweis - gerne auch beim Warten in der Warteschleife eines Angerufenen.

Heute sollte ich zu einem Geschäftspartner in Grevenbroich-Kapellen fahren (ob ich dort wohl auch Horst Schlämmer oder Gisela träfe?). Gestern hatte ich schon im Routenprogramm vorgeschaut und freute mich deshalb heute morgen, dass das Navi die A61 empfahl, anstatt mich im Berufsverkehr durch ganz Bonn von Süd nach Nord auf die A555 und weiter zu schicken. Beim Losfahren war noch annehmbares Wetter, aber je näher ich Grevenbroich kam, desto mehr regnete es, bei entsprechend sich verschlechternder Sicht.

Kurz vor dem Autobahnwechsel zeigte der kleine Bildschirm in etwa folgendes Bild (nach Rückkehr zum Fotografieren nachgestellt):



Ich folgte den Anweisungen, auf die A44 zu wechseln, entdeckte keinen Widerspruch zu den Ansagen des Navi und fand mich dann wieder auf der A44 in Richtung Aachen, also entgegengesetzt. Das Gerät rechnete schnell um und schickte mich über die nächste Ausfahrt zurück. Wegen des schlechten Wetters und der oben genannten Gründe war ich noch recht sicher, dass ich mich selber mal wieder vertüddelt hatte und nahm Anlauf, das Autobahnkreuz Jackerath zu passieren. Bei der Beschilderung war leider links und rechts irgendwie verdreht, und ehe ich mich versah, befand ich mich zunächst in Übereinstimmung, nach Abschluss des Manövers im Widerspruch mit dem Wegfinder, wieder auf der A44 in Richtung Aachen. Dann mal die Karte ausgezoomt, über das Kreuz Wanlo und die A46 rumgeschwungen und ich war wieder richtig. Dem Navi fiel das dann auch wieder ein, den Rest des Weges kannte es.

Normalerweise wäre ich um ca. 8:40h am Zielort gewesen, nach 110 km und 20 Minuten früher als vereinbart. Bei Abfahrt zeigte der Bordcomputer noch eine Reichweite von 150 km, ich hätte also dort ankommen und nach dem Termin in aller Ruhe tanken können. Nach den zwei Schleifen über das malerische Titz wollte ich nicht das Risiko eingehen, den Kunden um eine Tasse Diesel bitten zu müssen und tankte noch schnell an der Autobahn. So erschien ich dank Navi um 9:16h und etwas unruhig, denn die letzten paar Milliliter im Tank auf der Autobahn bei strömendem Regen heben bei mir Puls und Blutdruck immer ganz leicht an.

Wieder zuhause sah ich mir das ganze nochmal auf dem PC-Routenprogramm an und dort sieht es so aus:



Ich weiß nicht, ob die A44 jemals von Jackerath in Richtung Nord-Osten ausgebaut war oder noch wird, im Moment ist Jackerath jedenfalls kein Kreuz, sondern nur ein Dreieck. Und wenn ich nicht so wenig Sprit im Tank gehabt hätte, was mich zwang, dringend nach einem Umweg zu einer Zapfsäule zu suchen, würde ich vielleicht immernoch dem Navi folgend in einer Endlosschleife zwischen dem Dreieck Jackerath und der Anschlussstelle Titz hin und her fahren.

Freitag, 22. August 2008

Gartenarbeit - Reine Freude

Ist ja schon schön, im Grünzeug zu wühlen, auch wenn es gelegentlich recht zeitaufwändig ist. Gestern durfte ich erfahren, dass das mitunter auch ein gewisse Risiko birgt:

Der Nachbar hatte sich gestern tagsüber bei einem Baumarkt einen Freischneider/Motorsense mit kräftigem Messer (statt mit dem Grasschnürchen von der Spule) gemietet, um in seinem Teil des Hangs hinter unseren Rasenflächen etwas Ordnung unter den Brennesseln, Brombeerranken und anderen Pionierpflanzen zu schaffen. Da die Miete nicht nach Zeit, sondern nach Spritverbrauch abgerechnet wird, bot er mir an, das Gerät nachdem er schon fertig war, abends auch zu nutzen. Zu mähen war genug, also nahm ich das Ding mit, Schutzbrille und lange Hose an und schlug mich ins Gestrüpp.

Eine gute halbe Stunde ging es gut voran mit einer Schneise von oben nach unten. Hohes Gras und Gestrüpp wächst vor allem am rechten Rand des Hangs, wo keine Bäume stehen. So kam ich Stück für Stück immer weiter nach unten, und freute mich schon darauf, auf dem fast flachen Stück unterhalb der großen Holunderbüsche, die demnächst mal weg sollen, halbwegs gerade stehen zu können.



PLÖTZLICH

mäh ich so in Gedanken so vor mich hin, spür ich rechts unter dem T-Shirt nahe dem Hosenbund einen Stich. Oh, denk ich noch, hat sich da ein Bienchen verirrt. Es war aber kein Bienchen, und es hatte sich auch nicht verirrt. Es war eine Wespe in höchster Angriffslust, und sie hatte noch Familie mit. Ich lies den Freischneider fallen und wich ein paar Meter zurück, aber die hatten sich mein T-Shirt schon gemerkt. Die Arbeitshandschuhe flogen unkontrolliert von meinen Händen, als ich versuchte dem Schwarm zu entwischen. Ich hatte mir bisher nicht vostellen können, dass Wespen jemanden gezielt im Kampfverband verfolgen. So war das aber. Sie fanden alle Öffnungen des T-Shirts, in die Hose kamen sie zu Glück weder von Oben noch von unten. Ebenfalls zum Glück injizierten sie zwar am Nacken, nicht aber im Gesicht. Noch ein paar Meter weiter hangaufwärts schienen die Verfolger von mir abzulassen und ich zog schnell das T-Shirt aus, in dem sich noch einige verbissen hatten.

Auf dem Weg ganz nach oben zum Haus spürte ich Jucken und Brennen an den Injektionsstellen am Unterarm links (der war beim Mähen am weitesten vorne und hatte ca. 15 Stiche), an der Schulter links (da war wohl eine oder zwei in den Ärmel gekommen und sie hatten mehrfach zugestochen, ca. 5 Stiche auf einem Fleck), AmRücken oberhalb des Hosenbunds (da waren die meisten bei der Verfolgung reingeschlüpft, ebenfalls 15-20 Stiche) und innen am Bizeps rechts (mehrfacher Stich vermutlich einer einzelnen Wespe), sowie vereinzelte Stiche am Oberkörper verteilt, vom Nacken bis zum Hosenbund.

Insgesamt war ich aber froh, dass nichts im Gesicht und vor allem in Mund und Nase war. Im Haus war ich trotzdem etwas unruhig, weil es plötzlich überall juckte. An den Fußsohlen, in den Handflächen, im Gesicht, auf dem Kopf, sowie in der Hose von vorn bis hinten.

Erstmal alles vom Leib reißen und kalt duschen. Es half momentan, dort wo der Duschregen jeweils gerade auftraf, über all sonst juckte es weiter. Beim Aussteigen aus der Wanne blickten mich aus dem Badspiegel kleine fiebrige Augen aus einem knallroten, geschwollenen Gesicht an. Z. empfahl, doch mal zum Arzt zu fahren.


"Ich hab so roundabout * ungefähr 20 Wespenstiche, ham Sie das was?" So fand ich mich eine Viertelstunde später in der Notaufnahme unseres Krankenhauses wieder. Bisher wusste ich noch nicht von einer Allergie gegen das Insektengift, aber so was kann sich anscheinend auch unmittelbar nach den ersten Stichen erst einstellen. Es gab einen Elefantencocktail in die Vene aus einem Cortisonmedikament und dem Juckreizstiller und Allergiebremser Fenistil, und nach etwa einer Stunde auf der Liege konnten wir wieder heimfahren.

Wahrscheinlich von den Medikamenten, vielleicht auch ein Bisschen vom Gift selbst, war ich sehr, sehr müde und legte mich, weitgehend abgeschwollen, nur noch mit vereinzeltem leichtem Jucken und Brennen, in die Kiste.

Der Nachbar hatte inzwischen den Freischneider von der Gefahrenstelle geborgen, in voller improvisierter Wespenschutzausrüstung, alle Kleidungsöffnungen mit Klebeband dicht verschlossen. Die Wespen hatten sich bis dahin aber schon wieder beruhigt, er blieb unbehelligt.

Ja, der Freischneider ist wieder weg, da muss ich wohl die Tage nochmal mit der Sense ran...







* Nein, das Wichtigtuerwort des Jahres 2003 hab ich natürlich nicht benutzt! Auch nicht "sensationell", das Wichtigtuerwort 2004.

Dienstag, 29. Juli 2008

Auf gute Nachbarschaft...

Unmittelbar anschließend ans Gelände, auf dem sich unser Büro befindet, war bis vor kurzem ein Imbiss, von dem wir außer etwas Geruch von Pommesfett, je nach Windrichtung, nicht viel mitbekamen.

Der Betreiber hat sich (wurde vom Eigentümer der Immobilie) kürzlich und plötzlich entfernt und nun werkelt seit ein paar Wochen eine Familie an und in dem Gebäude, um - nach Ansage des Eigentümers, der auch Vermieter unseres Büros ist - dort "gehobene Gastronomie" zu etablieren. (Nochmal zur Erinnerung: in einer ehemaligen Imbissbude). Grundsätzlich freut man sich da als Anlieger, da gehobene Gastronomie einen Ort normalerweise insgesamt aufwertet, und so gäbe es in unmittelbarer Nähe eine neue Möglichkeit, gelegentlich gepflegt etwas zu konsumieren. Je nachdem, wie gehoben die neue Gastronomie sein soll, wäre später zu entscheiden, ob und wie oft ich mir das erlauben kann.

Am letzten Freitag klingelte nun der gehobene Gastronom in spe (der sich bisher weder vorgestellt , noch es für nötig gehalten hatte, uns auf dem Hof mal zu Grüßen) (doch SO gehoben?) bei uns:

gehobener Gastronom (GG): Hallo, ich wollte mal nach der Telefonnummer von Herrn N. fragen, der wohnt doch da oben hier gegenüber, wo wir gerade renovieren.
Yooee: Ja, kann ich Ihnen gern geben.
GG: Ich wollt mal mit dem sprechen, weil der mir nach Möglichkeit gestatten soll, (was bestimmtes im Zusammenhang mit dem Gebäude) zu benutzen.
Yooee: Hier ist die Nummer von Herrn N., rufen Sie ihn am besten selber an, aber ich fürchte, davon wird er nicht begeistert sein.
GG: Ja, wär ja schade, wenn man sich da nicht einigen könnte, aber ich brauch das ganz dringend für mein Geschäft, und er hat ja auch was davon, dass wir da so schön renovieren und so.
Yooee: Wie gesagt, ich kann dazu nichts sagen, ich wohn da nicht. Rufen Sie ihn einfach an.
GG: Ja, wenn er da nicht zustimmt...
Yooee: Ich weiß es nicht, sprechen Sie bitte mit ihm selber.
GG: Das würd ich mir nicht so einfach gefallen lassen, ich hab nämlich 8 Semester Jura studiert. Zwar nicht abgeschlossen, aber ich kenn mich da so ein Bisschen aus.
Yooee: Aha.
GG: Das wär nämlich eine erhebliche Einschränkung für mein Geschäft, das würde ich auf jeden Fall vor Gericht klären lassen.
Yooee: Da wird Herr N. bestimmt sehr beeindruckt sein. Rufen Sie ihn einfach an.
GG: Ja gut, mach ich sofort, da muss er ja eigentlich zustimmen.
Yooee: Ja, tschö.

Acht Semester! Wow! Möglicherweise wird es doch nicht vom Niveau der Gastronomie abhängen, ob ich da jemals hingehe, sondern davon, ob der Herr Gastronom nicht wegen Nichteinigung ein kollektives Hausverbot gegen unsere ganze Firma erficht.

Bockbierbowle

- eine frage der richtigen mischung -

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