Bisher kam er ja auf allen Vieren fast überall hin und war auch durch schnelle Richtungswechsel nicht aus der Ruhe zu bringen.
Aber nach einiger Zeit, in der er mit festhalten am Sofa entlang übte wagte er gestern vor einer Woche auch schon mehrere Schritte freihändig. Aber weil er immer wenn er die Kamera sah, sich schnell wieder runterfallen lies und zu mir krabbelte, war es bisher nicht möglich, ein Filmdokument herzustellen. Bis gestern nachmittag:
Ab sofort sind auch höhrere Sachen bis so 80-90 cm nicht mehr sicher.
war der Zustand, dass man Julius seine Goldsträhnchen schon nach links und rechts aus dem Gesicht strefen musste.
Und so kam denn der Moment eines weiteren ersten Mals. Schere bereitgelegt, den Stuhl in eine bequeme Position gestellt, und von allen Seiten Ablenkshow. Trotzdem hat er irgendwie gemerkt, dass da was herumgezupft wird.
Da es nicht weh tat, war es aber hauptsächlich interessant, gelegentlich fand er es sogar lustig, und so war sein erster Haarschnitt vorbei. Die Ernte kann sich sehen lassen, eine kleine Handvoll hellblonder Zumsel:
Heut ist Party angesagt, denn der kleine Herr, der hier froh seine bisher vier scharfen Fanghaken präsentiert (und uns auch sonst sehr gut im Griff hat) wird heute ein Jahr alt:
Unglaublich, mir kommts vor, als hätte ich mir gerade die Freudentränen über seine Geburt aus dem Gesicht gewischt, schon sitzt er da in seinem Stuhl und knipst sich ein Stück Butterkeks ab, als hätte er schon immer so gegessen.
... Und Julius weiß nix davon. Nachdem er diese Woche schon täglich um 6 Uhr oder früher fit ist (er kann ja tagsüber noch ein paar Stunden nachratzen), bereit ich mich schon mal darauf vor die nächsten Tage (Wochen?) nach der Tagesschau ins Bett zu gehen.
Kaum kriegt er Wiese unter die Füße, stellt er sich instinktiv in den Three Point Stance, die aggressive Startposition der American-Football-Spieler der ersten Reihe.
Jetzt wird es wohl Zeit, sich mal nach Helm und Schulterpolstern umzuschauen. Hat da jemand was gebrauchtes im Angebot?
Julius ist seit ein paar Tagen am Quengeln - wahrscheinlich wieder mal Zähne. (Macht er jetzt schon seit drei Monaten alle paar Wochen, bis jetzt ist noch kein einziger rausgekommen.) Gestern war das Fieber etwas höher, also ist Z. am vormittag mit ihm zur Kinderärztin gefahren. Ich denk, man macht das, damit man überhaupt was macht, weil machen kann man eh nichts, außer gelegentlich mal ein Paracetamol-Zäpfchen reinzuschieben. Erwartungsgemäß war die Anweisung: "Wenn es über 39 geht, geben Sie ihm ein Zäpfchen, wenn es dann immer noch nicht ruter geht, kommen Sie wieder vorbei."
Gestern abend, kurz vor dem Schlafengehen, also kurz vor 8, erreichte die Temperatur mit dem weißen Thermometer, dem schon mal der Deckel abspringt oder das während des Messens einfach aus geht, bedrohliche 41,5°. Dass der Temperaturanstieg auf der digitalen Anzeige sprunhaft von 37,8 auf 41,5 erfolgte, und dass das grüne Thermometer 39,3° anzeigte (VOR dem Zäpfchen), konnte eine Panik fast nicht mehr verhindern.
Also fanden wir die Handynummer der Kinderärztin (KÄ) heraus, und riefen sie - sie hatte das ausdrücklich angeboten - gegen Viertel nach 8 an:
KÄ: - Jääh?
Z.: Wie bitte? Ist da Frau Dr. X?
KÄ: Ja, hier X.
Z. Guten Abend, ich war heute mit Julius bei Ihnen in der Sprechstunde, er hat immer noch Temperatur über 39°, haben Sie vielleicht noch einen Tipp, was man die Nacht durch so machen könnte, damit es runtergeht?
KÄ: Ja, machnnkönnnssendagannichviel. Gebennsennssäff-chen, unnnichsodickanssiiiehn.
Z. Ja, ok, danke.
KÄ: -
Z. Tschuss.
Wie sich das anhörte, hatte die nicht ein Gläschen Wein zum Essen getrunken, es hörte sich eher an wie sturzhaubentauchervollwieeinamtmann.