Wie
erwähnt, stand am Wochenende auch Malen auf dem Familienbeschäftigungsprogramm. Während ich es mangels Talent dabei belassen muss, für Julius ein paar Strickmännchen, Clowns, Drachen, Würstchen, Bagger und anderes zu kritzeln, zog Z., anerkannterweise die Künstlerin im Haus, die letzten Pinselstriche an ihrerm aktuellen Werk:


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(Acryl auf Leinwand, 80x80cm)
Es werden auch Auftragsarbeiten angenommen.
Yooee - 2009-02-09 12:54 - Steht unter:
Rheinhoehe
Nachdem ich heute schon ein Kind hinter mir hab, das zwischen Aufstehen und Anziehen zweimal in die Hose gemacht, den Kakao umgekippt und nichts gegessen hat, freu ich mich, dass auch auf der ZDF/heute-Website der eine oder andere noch nicht alle Augen auf hat:
Was macht Frau Duckworth jetzt? Leitet sie die Behörde nach Illinois
um? Wieso ist Illinois überhaupt Obamas
früherer Heimatstaat? Welchen Heimatstaat hat er denn jetzt?
Am besten nochmal hinlegen, wieder aufstehen und neu anfangen. Es gibt so Tage.
Yooee - 2009-02-04 08:11 - Steht unter:
Schnipsel
Yooee - 2009-01-19 09:08 - Steht unter:
Leckeres
Gestern hatte ich den dritten Abend (von drei) eines Erste-Hilfe-Kurses, den vor allem die Berufsgenossenschaft für unsere Firma fordert. Ich hab gesagt, ich mach das, weil ich dieses vor über 20 Jahren anlässlich des Führerscheins und damals einer Rettungsschwimmerausbildung erworbene Wissen sowieso mal wieder auffrischen wollte. Ich hatte mich schon auf drei dröge Abende vorbereitet, in denen ich gegen das Einschlafen ankämpfen müsste. Statt dessen, und obwohl ein grippaler Infekt mich derzeit nur mit Aspirin und Eukalyptus die Tage überstehen und die Nächte etwas schlafen lässt, war es ganz anders. Alex, ein Rettungsassistent unserer Rettungswache hielt den Kurs auf engagierte, frische und höchst unterhaltsame Weise. Wissen laut Plan, aber auch den nötigen Hintergrund. Übungen soweit nötig, aber nicht übertrieben. Viele, manchmal recht intensive Beispiele aus seiner täglichen Praxis so dargebracht, dass man sie meist bildlich vor Augen hatte. Langeweile kam überhaupt nicht auf, und so war der Kurs ein feiner Erfolg. Leute wie er sind ganz sicher das Rückgrat des Rettungsdienstes, wenn mir mal was passiert, hätte ich auch gern so einen auf dem Auto.
Ich weiß noch, wie damals in unserem Dorfkino immer sonntags um 14:00 Uhr Kung-Fu-Filme in der Jugendvorstellung liefen. Wenn ich da rauskam, war ich immer wahnsinnig stark und es war wahrscheinlich ein Glück für beide Seiten, dass mir nicht auf dem Nachhauseweg ein paar Ninjas die Straße versperrten, den die hätte ich mit einem MG-Feuer von Tritten und Stößen ruck-zuck weggeputzt. So ähnlich war es gestern: Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es das Auto 200 Meter vor mir in der nächsten Kurve von der Straße wischen würde. Dem würde ich aber helfen!
In Wirklichkeit hoffe ich natürlich, das soeben gelernte nie anwenden zu müssen, aber empfehlenswert ist so ein Kurs jedem! Überraschend, dass die stabile Seitenlage in den letzten 20 Jahren deutlich einfacher geworden und auch die Herz-Lungen-Wiederbelebung kein Buch mit sieben Siegeln und 34 zu beachtenden Punkten mehr ist.
Yooee - 2009-01-15 08:55 - Steht unter:
Draussen
Bis hier war diese Beitragsserie nichts als eine belanglose kleine Lästerei auf Kosten von Vater A. und Mutter A., sozusagen als Heimzahlung für die Geräusch- und Geruchsbelästigung im zwangsweise geteilten Krankenhauszimmer. Ab Samstag bekam das ganze für mich aber fast tragische Züge:
Freitagabend zog ich also als Ablösung für Z. in den "Container" ein. Vater A. ging gerade nach Hause, Mutter A. war mit dem Fernsehprogramm (K11, Die Auswanderer - Wer wird Millionär wurde weggezappt.) und den für sie offensichtlich lästigen Störungen durch die Krankenschwestern für die Pflege und Behandlung des Kindes beschäftigt. Es gab da also nicht viel zu reden.
Die Nacht war recht unruhig, in der ersten Hälfte wegen Nicolas, in der zweiten wegen NJ. So ist das eben, wenn die Babys krank sind, da hilft alles reden nichts. Mutter A. war durch beides wieder sichtlich genervt. Nicht, weil ihr Kind hustet oder Schmerzen oder Schwierigkeiten beim Atmen hat, sondern, weil sie zwischendurch mal aufstehen musste.
Irgendwann war die Nacht vorbei und nachdem Vater A. die ganze Woche gegen halb 8 aufgetaucht war, ließ er es am Samstagmorgen etwas ruhiger angehen. (Da hatte ja auch das "Arbeitsamt" zu.) Als er um halb 9 noch nichts von sich hatte hören lassen, war Mutter A. schon verärgert. Das jedenfalls schloss ich aus ihren immer häufigeren Fragen ans Kind "na, wo bleibt denn Dein Papa heute?" sowie aus folgendem Telefongespräch, von dem ich natürlich nur die von ihr geäußerten Teile wiedergeben kann. Ich vermute, dass der Anrufer ein Verwandter/Bekannter aus der Wohnumgebung war:
- Hi
- Wie, wie gehts? Bin am SICKEN!
- Ja, am SICKEN!
- Wo bleibt der Arsch? Kommt einfacht nicht! Klar bin ich da am Sicken!
- Der braucht gar nicht mehr kommen! Der hat bestimmt Weiber reingelassen! Wenn ich das mitkrieg, hau ich dem auf die Fresse!
- Der braucht gar nicht nach hier hin zu kommen, dem hau ich sowieso auf de Fresse.
- Da erzählt der sowieso wieder nur Scheiße, ich hau dem auf die Fresse!
- Ja, tschö.
Dass sie sich hinsichtlich der Lautstärke nicht unbedingt zurückhielt, brauch ich wahrscheinlich nicht zu sagen. Kurz darauf rief anscheinend die gleiche Person wieder an:
- Wat?
- Wie, auf dem Gelände? Wat braucht der denn da so lang? Der braucht eh nicht mehr hier hochkommen, sonst gibts was auf die Fresse!
Dann ging es im gleichen Gespräch kurz um etwas anderes, sie griff das Thema Besuch aber nochmal auf:
- Wo bleibt der denn jetzt? Siehste, wo soll der denn auf dem Gelände sein? Wär der doch schon längst hier! Ich sach dir, der braucht mich nie wieder ansprechen, sach dem, der soll blos nicht hier hochkommen, sonst knallt das aber richtig hier!
Sie hatte den Hörer noch am Ohr, da kam er rein:
- Wo kommst DU denn jetzt her, Mann?
- Von zuhause.
- Wie von zuhause? Wieso so spääät?
- Ich war noch einkaufen, hab Brötchen mitgebracht für Frühstück.
- Dat dauert doch nicht so lange! Was hast denn noch gemacht?
- Ich war bis 4 wach, konnte nicht schlafen, und um halb 7 ging schon der Wecker, und dann hab ich den nochmal ausgemacht und hab mich aufs Sofa gesetzt eine rauchen, und dann den Kopf so angelehnt und dann bin ich voll nochmal eingeschlafen. Halb 9 bin ich dann aufgewacht.
Nachdem sie irgendwann auch das Telefongespräch beendet hatte ("Der is jetzt hier, der Arsch") bekam sie auch die anderen Neuigkeiten erzählt. Dass um 12 noch zwei so Typen mit Kapuzen vor der Haustür am pfeifen waren, dass nachts jemand in ihrem Garten war, und Vater A. sich beim Rausgehen den Kopf am halb geöffneten Rollo angehauen hatte und die Typen dann wegen dem Lärm über den Stacheldraht und durch das Dornengestrüpp abgehauen waren, und dass wieder mal eine Schlägerei im Block war, und als die Bullen die Leute weggebracht haben, haben sie leise zu denen gesagt, "habt ihr aber gutgemacht".
Obwohl nur zwei Tage vorher die Visite mit einer größeren Gruppe von Medizinstudenten durchgeführt worden war, damit die jungen Leute mal die schlimmste Bronchitis der Station sähen, ging die Familie anscheinend davon aus, bald aus dem Krankenhaus entlassen zu werden. Am Freitagabend wurden schon Termine für Montagnachmittag gemacht. Samstagmorgen, noch vor der Visite, fragte Mutter A. Vater A., was der denn machen würde, wenn sie heute schon rauskämen: "Um 13 Uhr kommt McGyver, den kann ich dann ja noch sehen."
Eine Ärztin kam zur Visite und sagte mir, dass Nicolas noch einen Tag drin bleiben solle, morgen würde es aber wahrscheinlich klappen, wenn es mit der Heilung so weiterginge.
NJ hustete noch heftig und es sah aus, als sei es seit dem Vortag noch schlimmer geworden. Deshalb sagte die Ärztin, man müsse wohl noch mit ein paar Tagen Aufenthalt rechnen. Vater A. hätte es so hingenommen, aber Mutter A. hatte andere Vorstellungen von ärtzlicher Hilfe und Beratung:
A: Aber Sie haben doch gesagt, wir können nach Hause, wenn er kein Fieber mehr hat. Und jetzt hat er kein Fieber mehr.
Ärztin: Ja, aber sie höfren ja selbst, dass er noch sehr schlimm hustet und nicht richtig Luft bekommt.
A: Aber er hat doch kein Fieber mehr!
Ärztin: Das ist leider manchmal so, wir sollten ihn aber im Moment auf keinen Fall entlassen, so lange wir nicht sicher sein können...
A: Ich hatte von Anfang an gesagt, dass wir das Inhaliergerät zu Hause haben. Da können wir den selber inhalieren lassen.
Ärztin: Er muss im Moment noch 6 Mal täglich inhalieren. Das machen wir normalerweise nicht, dass wir die Kinder nach Hause lassen, wenn sie noch so oft inhalieren müssen. Mit der Inhalation werden ja auch hochwirksame Medikamente gegeben, und das kann man hier im Krankenhaus viel besser beobachten und steuern.
A: Wir können das schon machen, machen wir das eben 6 Mal am Tag. Wir wissen ja wie das geht.
Ärztin: Wir können ja mal versuchen, von 6 auf 5 Mal zur reduzieren, und dann sehen wir morgen, ob es besser wird, und sprechen dann nochmal darüber.
Der Vorschlag wäre für keinen normalen Menschen aufzuschlagen, und ich hatte mich sowieso schon auf eine weitere Nacht in deren Dunst eingestellt. Da aus den anderen Zimmern, die bei der Visite vorher dran waren, anscheinend einige Kinder entlassen worden waren, hoffte ich, vielleicht in ein anderes Zimmer wechseln zu können, aber die eine Nacht würde ich auch noch irgendwie aushalten. Mutter A. blieb aber dabei:
A: Sie haben gesagt, wenn er kein Fieber mehr hat, kann ich (!) nach Hause, und jetzt hat er kein Fieber mehr. Gestern war es schon viel besser, und jetzt ist es wieder schlimmer geworden mit dem Husten, da sind wir ja noch Monate im Krankenhaus, wenn das so weitergeht. Da geh ich lieber auf meine Veranwortung nach Hause.
-unglaubliche Logik!-
Ärztin: Ich kann ihnen nur unbedingt empfehlen, noch hier zu bleiben. Aber ich kann Sie nicht anbinden.
A: Nee, dann will ich auf jeden Fall nach Hause. Ich halt das hier nicht mehr aus. Ich werd sonst noch bekloppt hier!
Ärztin: Sie müssen sich aber bewusst sein, dass das dann wirklich auf Ihre eigene Verantwortung geschieht, was die Gesundheit von Ihrem Baby betrifft.
A: Ja, ja.
Ärztin: Auch finanziell, es kann vorkommen, falls das Kind jetzt nicht gesund wird, dass auch die Krankenkassen dann sagen, das wird teilweise nicht übernommen.
A (hörte nicht mehr zu): Ja.
Ärztin: Also, ich mach Ihnen mal Ihre Papiere fertig, Sie können ja in der Zeit noch mal in sich gehen, und dann entscheiden, was Sie machen möchten.
A: Nee, also ich hab die Entscheidung für mich schon gemacht. Wir gehen dann nach Hause.
Die Ärztin hatte keine Chance.
Arztin: Sie müssten zuhause dann auch unbedingt darauf achten, das Baby zu schonen. Sie sollten dann zum Beispiel möglichst wenig oder gar nicht rauchen:
Mutter A: Ich rauch sowieso nicht mehr.
Vater A: Ich hab mich sowieso schon eingeschränkt. Ich hab früher bestimmt 70 Zigaretten am Tag geraucht, jetzt rauch ich höchstens noch 20 oder 30.
Ärztin: Was Sie mit Ihrer eigenen Gesundheit machen, ist natürlich erstmal Ihre Sache, aber für das Baby sollten Sie auch drauf verzichten. Selbst wenn Sie nicht in der Wohnung rauchen, die Stoffe, die an der Kleidung zurückblieben, können dieses empfindliche System...
Sie hatte keine Chance, die Planung der beiden Eltern war schon woanders.
In dem folgenden Telefonat nach Hause gab Mutter A. Ihre Entscheidung bekannt, und wie sie sich gegen die Ärzting durchgesetzt hatte. Um das Kind ging es in dem Gespräch nicht, fünf Minuten lang aber darum, wer wie den Fernseher aus dem Krankenhaus abholen sollte.
In recht kurzer Zeit, aber mit jeder Menge Diskussionen, packten sie aus den Schränken und von unter dem Bett eine große Reisetasche und zwei vollgestopfte Plastiktüten zusammen.
Vater A: Warum hast Du das denn jetzt so gemacht, dass wir selber nach Hause gehen?
Mutter A: Ich hab Dir gestern schon gesagt, dass ich heute nach Hause gehen will.
Vater A: Wenn ich das gewusst hätte, hätt ich schon mal was von dem ganzen Müll hier mitnehmen können.
Mutter A: Ich hab Dir das doch gestern schon gesagt, Mann!
Mutter A. trug schließlich das Kind in einer Babytrageschale, Vater A. schob den Kinderwagen, in dem der Fernseher und die Reisetasche "saßen", und mühte sich ab, noch die zwei Plastiktüten irgendwie mitzubekommen.
Was Vater A. mit "dem ganzen Müll" gemeint hatte, sagte mir ein Blick unter deren Mutterliege, nachdem sie weg waren. Die Putzfrau holte mit ihrem Wischer einen ganzen Haufen Colaflaschen, Papierchen von Schokoriegeln, Chipsbrösel und jede Menge mehr unter dem Bett heraus. Eine unglaubliche Sauerei!
Eigentlich freute ich mich, dass sie weg waren, die Freude bleibt mir aber jetzt noch im Hals stecken, wenn ich an das Kind denke. Muss man so etwas dem Jugendamt sagen oder wird das vom Krankenhaus aus automatisch gemeldet? Wenn der kleine Wurm viel Glück hat, wird er wieder gesund. Mindestens genauso wahrscheinlich ist aber, dass in den nächsten Tagen wieder in ein Bonner Krankenhaus gebracht wird, mit einer noch schlimmeren Erkrankung, und möglicherweise wird er bleibende Schäden davontragen. Wie sieht die Zukunft so eines Kindes aus? "Wenn es nur der Virus wär..." hat für NJ noch viel mehr Bedeutung als für Nicolas und uns. Gegen den Virus könnte er sich mit Hilfe der Ärzte und Schwestern durchsetzen. Tatsächlich hat er aber auch noch den Kampf gegen Dummheit, Sturheit und Egoismus seiner Eltern zu kämpfen.
Yooee - 2008-12-22 11:54 - Steht unter:
2 Bueblein
Vater A. verbringt also den ganzen Tag im Krankenhaus, ebenso wie Frau und Kind. Abgesehen davon, dass er eigentlich nichts anderes zu tun hat und auf Kosten aller Arbeitnehmer anscheinend recht zufrieden vor sich hinlebt, wird sein Zeitplan unter anderem vom Fernsehprogramm mitbestimmt. Wenn nachmittags die eine oder andere bestimmte Talkshow unter Mitwirkung seiner Zunftkollegen (man könnte auch sagen: arbeitsunwilliger ALG II-Empfänger) läuft, hat das Kind nicht laut zu sein. Jeder Behandlungsschritt, den die Schwestern ungeschickterweise in so einen Zeitraum legen, kommt Vater A. sichtlich ungelegen. Und abends muss er bis viertel nach 7 oder halb 8 bleiben, damit Mutter A. noch in Ruhe "Postars" oder sonstwas wichtiges sehen kann.
Zufällig ist auch noch eine Cousine von Vater A. oder Mutter A. auf einer anderen Station des Krankenhauses mit ihrem Kind. Die schaut auch gern mal mit ihrem Mann auf 2 oder 3 Fünf-Minuten-Terrinen vorbei ("Habt ihr auch was Chinesisches da?"). Wieso werden die Kinder von solchen Menschen gleichzeitig mit unseren krank? Eins ist klar, bei denen kommt es ganz sicher nicht vom zu häufigen Zimmerlüften!
Heute Abend lös ich Z. erstmal für eine Nacht ab. Wahrscheinlich folgt danach eine weitere Fortsetzung der Beitragsserie mit Neuem aus Assiland. Vielleicht überraschen sie mich auch damit, dass heute abend die lange Wissenschaftsnacht auf BR-Alpha ansehen. Oder ich verlieb mich in Mutter A., kündige meinen Job und zieh bei denen mit ein. Dann muss eine Fortsetzung erstmal ausfallen, denn auf einem Fernseher mit RTL2-Zwangsprogramm kann man keine Beiträge bloggen.
Yooee - 2008-12-19 17:09 - Steht unter:
2 Bueblein
Die Viren haben Hochsaison und auch Familie Yooee ist vollzählig dabei. Während der Verdacht auf Lungenentzündung nach der Bronchitis sich bei Julius letzten Freitag zum Glück nicht bestätigt hatte, musste Nicolas, ebenfalls mit Bronchitis, am Mittwoch einfahren. Zehn Wochen Leben sind zuwenig, um so einer Packung Viren und Bazillen ganz allein zurechtzukommen, da sollte man ruhig ein paar Tage in der Nähe der Ärzte und Schwestern bleiben. Passt natürlich super rein in die Vorweihnachtszeit, aber wann passt sowas überhaupt? - Also ist es auch grad egal.
Nach der ersten Lungenentzündung von Julius ist das nun das zweite Mal, dass wir (hier: erstmal Z. und Nicolas) das Zimmer mit Leuten teilen müssen, die man zwar gelegentlich mal bei der Wochenzusammenfasssung der Assi-Talkshows sieht, von denen man aber hofft, ihnen nie im richtigen Leben zu begegnen. Ist man wegen Vollbelegung der Kinderstation, die auch jede Hoffnung auf eine separate Unterbringung zunichte macht, dazu gezwungen, mit ihnen ein Zimmer zu teilen, kommt man schnell in den Bereich der Überdosis. Mutter A.'s siebenmonatiger Junge NJ* hat den gleichen Virus wie Nicolas, was uns auch das Glück des gemeinsamen Weges beschert. Wahrscheinlich ist es für sie im Krankenhaus genausogut oder noch besser als zuhause, denn sie hat es sich richtig gemütlich gemacht: Fernseher mit ordentlicher Diagonale mitgebracht, damit man auch gut was sieht (wie zuhause), Waschen oder gar Duschen ist für die paar Tage nicht nötig (wie zuhause), Essen steht in Dutzenpackungen im Schrank: Fünf-Minuten-Terrinen, Mars&Snickers, Nutella und Weißbrot (alles wie zuhause).
Treusorgender Vater A. kommt täglich morgens gegen halb 8 und bleibt bis abends halb 8. Nicht, dass er sich dafür hätte Urlaub nehmen müssen, und ein paar Tage der Jahresfreizeit opferte - Zitat: "Das Kind ist jetzt erstmal wichtiger, da muss das Arbeitsamt eben mal ein paar Tage warten." Aha. Schon klar. OK, jeder kann mal den Job verlieren, aber wir haben schon nach den paar Tagen den Eindruck, dass sich sein Einsatz, wieder in Beschäftigung zu treten, in gewissen Grenzen hält.
Abends bringt er seiner Frau gern mal einen Döner mit, nur für den Fall, dass sie zwischen Fünf-Minuten-Terrinen schlürfen, Schokoriegel reinstopfen und Cola trinken mal dazu kommt, den auch noch zu essen. Bratenduft und Tsatsiki leisten nur einen unwesentlichen Beitrag zu den Gerüchen, die Mutter A. und Vater A. sonst noch so zu einem betäubenden Raumparfüm kombinieren. Kombinieren deshalb, weil wir vermuten, dieser Geruch kann unmöglich entstehen, indem man in nur ein EINER Körperfalte langandauernd Krümel sammelt. Da muss es aus allen Ritzen und Öffnungen dünsten! Wie zum Beweis zumselt Mutter A. vor der Nachtruhe schonmal alle Fussel aus ihrem Bauchnabel zusammen, riecht aber noch kurz daran, bevor sie sie unter die Elternliege schnippt, wo schon die leeren Coca-Cola- und Mezzo-Mix-Flaschen liegen.
(Fortsetzung folgt.)
- erstellt auf der Basis von eigenen Beobachtungen und Z.'s Niederschrift vom Ort des Geschehens -
* Name des Jungen: ein aus zwei Vornamen zusammengesetzter Name mit insgesamt 4 Silben. Beide Vornamen kommen vermutlich aus verschiedenen Ländern/Kulturkreisen, mit denen vermutlich keines der Elternteile etwas zu tun hat.
Yooee - 2008-12-19 15:13 - Steht unter:
2 Bueblein
Samstagmorgen trafen wir schon einen im Pennymarkt. Julius fand ihn mit seiner Brille, den schwarzen Stoppeln an den Stellen im Gesicht, wo der weiße Fake-Bart nicht hinreichte, anscheinend instinktiv nicht authentisch und wollte trotz angebotenem Süßikeitenbeutel nicht hin. Im vorbeigehen hörten wir ihn aber ein anderes Kind ermahnen: "Un dassu weita schön braf bis zu dein-n Eltan, ne!" Nikolaus mit Migrationshintergrund...
Yooee - 2008-12-08 13:48 - Steht unter:
Einkaufen
Der Schnee ist bis auf ein paar Reste wieder verschwunden, auf dem kleinen Stück Wiese vor unserem Haus liegt nur noch ein Haufen, wo der Schneemann war und der kleine Elefant nimmt langsam picasso-eske Form an:
Als kleine Bilanz des kurzen Doch-Noch-Wintereinbruchs war ich überrascht, was das Wetterphänomen für Bewegung in unsere normalerweise am Sonntagabend sehr ruhige Straße brachte. Es gibt bis zu der Kreuzung schräg vor dem Haus zwei Zufahrtswege aus dem Tal. Einer geht nach "hinten", in Richtung Bandorf, den benutzt man, wenn man von uns aus in Richtung Koblenz fahren will oder aus dieser Richtung kommt, so wie ich am Sonntagabend. Da lag Schnee, aber der Anstieg ist moderat und es war kein Problem, hinaufzukommen.
Die Straße von der Kreuzung in Richtung Rhein heißt "Im Ellig" und ist so steil, dass man mit dem Fahrrad schon richtig aus der Puste und ins Schwitzen kommt. Außerdem gibt es ein recht enges Stück, bei dem sich entgegenkommende Autos regelmäßig gegenseitig die Rückspiegel abknipsen. Wenn auch nur ein Bisschen Schnee dort liegt, ist es echt gefährlich, weil der bergab fahrende kaum noch die Richtung korrigieren kann und in der steilen Passage fast jedes Bremsen zum Schleudern führt. Der Ellig war, als ich über Bandorf nach Hause kam, gesperrt. Zunächst überwachte das nur ein Polizeiauto, später noch ein weiteres und eins von der Feuerwehr. Da standen die Polizisten, die Feuerwehrleute und schnell auch ein paar Nachbarn auf ein Schwätzchen. Vor fast jedem Haus in der Straße standen die Nachbarn draußen und freuten sich am schönen Anblick.
Für den Fall, dass so eine Wettersituation diesen Winter nochmal eintritt, sorg ich nun vor:
3 Liter Glühwein & ein paar Kekse oder einen Rosinenstollen und Butter. Tee hat man ja sowieso im Haus.
Einen Becher heißen Tee als nette Geste für die potentiell frierenden Polizisten und vor allem die freiwilligen Feuerwehrler kann nie schaden. Und die Nachbarn kriegt man so bestimmt auch gut hergewinkt, wo man sich ja normalerweise doch nur zum Gutenmorgensagen sieht. Gerade in der Zeit, wo überall die Lichterketten aus den Büschen und Bäumen blitzen, hebt das nochmal die schöne Stimmung hervor.
Ich freu mich schon!
Yooee - 2008-11-26 10:34 - Steht unter:
Draussen
Schon seit ner Woche sieht es etwas gedämpft aus bei Familie Yooee, alle (außer mir eigentlich) sind irgendwie krank. Auch das Wochenende zeigte naseputzen, schniefen, fiebern, genesen, also was haben wir gemacht: Einen Eimer Farbe gekauft und angefangen, den Keller rot anzumalen. (Vielleicht schreckt das die Keime ab).
Schon für Freitag war ja angekündigt, dass es viel schneien würde, und so hab ich Julius auch auf Samstag eingepeitscht, dass wir einen schönen Schneemann bauen würden. Angeleitet von einem Wimmel-Suchbuch erweiterte er die Planung noch um einen Uhu, einen Elefanten, ein Eichhörnchen, einen Wal, eine Schildkröte und einiges mehr. Er kann ja noch nicht wissen, dass es im Rheinland den Schnee für so einen Zoo nur verteilt über die nächsten 15 Jahre geben könnte.
Am Freitag jedenfalls beobachtete ich schon tagsüber im Internet, wie die Schneelawine des Wintereinbruchs mit Ansage von Norden her auf uns zu rollte. Es schneite in Flensburg, Hamburg schickte die Schneeräumer raus, Lüneburg zeigte sich in weißer Pracht, Münster zog die ersten Autos aus dem Graben, Willingen im Sauerland eröfffnete die Schisaison, Köln bekam noch ein paar Flocken ab, kurz vor Bonn war Schluss. Bei uns wurde es etwas frischer, Schnee sahen wir nur aus einiger Entfernung. Schnee im Rheinland ist Sekundenglück (Das Wort habe ich mal eben
hier gemopst), und manchmal kommt es gar nicht. Ich wohn jetzt schon über 12 Jahre hier und hab mich damit arrangiert, aber jetzt muss ich es auch Julius erklären. Na ja, irgendwie ging auch das, und als ich am Sonntagnachmittag mit ihm bei Bekannten zum Geburtstagskaffee ein paar Dörfer weiter war, fing es dann doch noch an, zu schneien. Wir freuten uns den ganzen Rückweg, und als wir zuhause ankamen, hatte Z. die Zeit genutzt und schon den ersten Schneemann mit noch vom Vorjahr bewährtem Hut hingezaubert.
Wir kamen an, Julius bekam unter Protest noch schnell einen ordentlichen Kälteschutz verpasst, und endlich konnten wir alle zusammen das volle Programm durchziehen: Schneemann noch schnell mit Augen, Mund und Knöpfen ausstatten, Schneeballschlacht
und dann sprang wenigstens noch ein kleiner Elefant raus.
Für mehr reichte der Schnee nun wirklich nicht, und bei +5°C heute morgen wird er auch nur mit Mühe noch heute abend sehen. Aber wir haben die kostbaren Sekunden Bilderbuchwinter erstmal genutzt!
Yooee - 2008-11-24 10:04 - Steht unter:
Draussen